Die
heutige Firma Merz Werke GmbH & Co.KG blickt nunmehr auf eine über
100jährige Firmengeschichte zurück, in der sie sich immer wieder
aufs neue dem aktuellen Zeitgeist anpaßt. Luise Jeanette Caroline
Merz, die in ihrer Wohnung Respiratoren herstellte, hatte die zündende
Idee, ihr Sortiment um die Fertigung von Autobrillen zu erweitern und legte
somit den Grundstein der Firma Merz Werke, die sie mit ihren beiden Söhnen
Friedrich Karl Julius (Fritz) und Paul Georg Martin (Paul) Merz gründete
und am 29. November 1899 im Handelsregister als OHG eintragen ließ.
Da sich die Autobrillenfertigung zu einem florierenden Geschäft entwickelte
und die Wohnung in Bockenheim bald zu klein wurde, bezog man 1905 den zukünftigen
Firmensitz in der Eschborner Landstraße in Rödelheim. Aus anfangs
2 Mitarbeitern wurden schnell 100. 1908 erlebte das Unternehmen einen großen
Aufschwung durch die Entwicklung/Fertigung der Stahlblechplombe, die zur
herkömmlichen Bleiplombe hinzukam. Während des ersten Weltkriegs
belieferten die Merz Werke sämtliche verbündeten Armeen mit Gasbrillen,
Militär-Anhänge-Lampen und anderen Schutzapparaten. Im Jahre 1914
verstarb Paul Merz. 1924 trat sein jüngerer Bruder Diplom-Ingenieur
Johann Georg Martin (Georg) Merz in die Firma ein. Zu jener Zeit waren ca.
600 Mitarbeiter beschäftigt!
Im
Jahre 1919 gründete man eine Colloid-Chemische Abteilung, deren herausragenste
Entwicklung das unbegrenzt haltbare Lokalanesthetikum Novocain/Novocain-Supraninlösung
war. Ein Mittel, das vor allem im zahnärztlichen Bereich noch heute
eingesetzt wird. Ende September 1929 wurde diese Abteilung an die heutige
Bayer AG verkauft.
Die
Merz Werke wurden in den schweren Kriegsjahren von Fritz und Georg Merz
geführt. Im Jahr 1944 traten ihre beiden Söhne, Kurt und Dieter
Merz als Teilhaber ein, die jedoch wegen des Wehrdienstes nicht tätig
waren. Kurz vor Kriegsende 1945 fiel Kurt Merz und Dieter kam Mitte 1945
aus englischer Gefangenschaft zurück. Ein Jahr später verstarb
Herr Georg Merz. Sein Bruder Fritz Merz und Sohn Dieter wurden zu alleinigen
Inhabern der OHG. In
den letzten Kriegstagen, am Karfreitag 1945, schlugen schwere Granaten auf
dem Merz-Gelände ein und beschädigten die Gebäude erheblich.
Im August des Jahres 1945 erhielt die Firma nach zähen Verhandlungen
von der Militärregierung die Erlaubnis, den Betrieb fortzusetzen. Es
sollten für die Stadtverwaltung Dachziegel aus Blech gefertigt werden.
Da die Firma keine Lastwagen mehr hatte, war es sehr schwierig an das notwendige
Blech zu kommen. Dank des Thyssenwerkes Siegen bekamen sie nach und nach
sechs Lastwagen mit Blech, aus denen Ziegel und alle möglichen Stanz-,
Zieh- und Druckteile gefertigt werden konnten!
Der erste wirklich
große Auftrag kam von der Militärregierung: Es mußten Teile
für Ölöfen für die US-Army hergestellt werden, und bis
1968 wurden dann komplette Ölöfen für Coleman gefertigt.
Ebenfalls produzierte die Firma für die in Deutschland stationierten
Amerikaner Kühlschränke. Man arbeitete auf Hochtouren mit ca.
300 Mitarbeitern in zwei Schichten à 10 Stunden! Die Merz Werke hatte
ein umfangreiches Fertigungssortiment aus den verschiedensten Dingen, wie
z.B.: Wechselstrom-Motoren, Simplex Mähmesser-Schleifmaschinen, Schreibmaschinen,
Tachotypen, Merzkragen (für Hemden), Sparuhren, Küchen-Babywagen,
Ölfilter für Autos, und Spezial Elektromotoren für die Kälteindustrie.
1954 verstarb
Fritz Merz. Dieter Merz übernahm das traditionsreiche Familienunternehmen
allein. In den Folgejahren entwickelte sich die Firma zu einem Spezialisten
für Elektromotoren für die Kälteindustrie und schloß
einen Kooperationsvertrag zur Produktion von Ölfiltern für die
Kfz-Industrie. 1966 entstand eine weitere Produktionsstätte in Michelbach
im Taunus; hier fertigte man hauptsächlich Elektromotoren und später
zusätzlich Kabel für die Computerindustrie.
Nach
dem tragischen Unfalltod von Dieter Merz 1977, übernahm der Sohn Peter
Henner Merz alleinverantwortlich die Merz Werke. In den Folgejahren wurde
die Produktion umfangreich rationalisiert und in 1981 eine wesentliche Umstrukturierung
vorgenommen. Neben der Elektromotorenfertigung wurden hierbei eine Vielzahl
von betriebsinternen Abteilungen aufgegeben. Zukünftig konzentrierte
man sich auf die Kernprodukte wie Kfz-Filter und die Kabelbaumfertigung,
gleichzeitig wurde ein neues Verwaltungs- und Produktionsgebäude auf
einem unbebauten Teil des Betriebsgeländes erstellt und bezogen. Durch
Betriebsaufspaltung übernahm im Jahre 1983 die Merz GmbH die Produktionsverantwortung
und die Merz Werke die Immobilienverwaltung. Für die 1987 zugekaufte
Ultraschall Dr. Born GmbH produzierte man medizinisch technische Geräte,
die diese unter eigenem Namen vertrieb. Ein 1990 erstellter Neubau erweiterte
das Betriebsgebäude erheblich und mit einer Teilvermietung der Fläche
legte man den Grundstein der zukünftigen Unternehmenstätigkeit.
1991 wurde die Produktion von Kabelsätzen, Schleifmaschinen und Plomben
nach Thüringen ausgelagert und ab 1995 führt eine eigenständige
Gesellschaft diesen Betrieb fort. Die dadurch freien Flächen konnten
nach Umgestaltung erfolgreich vermietet werden. In den Jahren 1996-1997
stellte man alle Produktionsaktivitäten in Rödelheim ein und konzentrierte
sich ausschließlich auf das Immobilien-Management. Durch laufende
Ergänzung und Erweiterung ist heute das ehemalige Produktionsgebäude
ein moderner Standort für eine Vielzahl von zum Teil international
tätigen Mietern geworden.
Mit Daniela, der Tochter von Peter Henner und Rita Merz, und ihrem Ehemann
Thomas, ist seit November 2000 die 5. Familiengeneration im Betrieb. Das
heute als Merz Werke GmbH & Co.KG firmierende Unternehmen hat sich in
seiner hundertjährigen Firmentradition mehrfach strukturell verändert
und angepaßt und wird dies auch zukünftig tun.